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Hansa-Trainer Brand will "Ruhe nach turbulenten Jahren"

Hansa-Trainer Brand will "Ruhe nach turbulenten Jahren"

Hansa-Trainer Brand will "Ruhe nach turbulenten Jahren"

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Christian Brand Trainer beim FC Hansa Rostock in der 3. Liga . Die vergangene Rückrunde beendete der 44 Jahre alte Ex-Profi mit dem ehemaligen Bundesligisten mit 49 Punkten auf Rang zehn - zuvor hatten nach 19 Partien gerade einmal 18 Zähler und ein Abstiegsrang zu Buche gestanden. Aktuell sind es bereits acht Punkte mehr. Die Abstiegszone und auch Rang drei sind jeweils sechs Zähler entfernt. Im DFB.de - Drittligainterview der Woche spricht Christian Brand mit Mitarbeiter Thomas Ziehn über den Rückrundenstart gegen seinen Ex-Klub SSV Jahn Regensburg am 28. Januar (ab 14 Uhr), die Perspektiven für den FC Hansa Rostock und seine Pläne bei einem Lotto-Gewinn.

DFB.de: Es sind nur noch wenige Tage bis zum Rückrundenstart. Auf welchem Stand sehen Sie Ihre Mannschaft, Herr Brand?

Christian Brand: Hinter uns liegen harte Wochen. Leider hatten wir mit einigem Verletzungspech zu kämpfen, das war sicher nicht optimal. Aber uns bleiben ja noch ein paar Tage, in denen wir in erster Linie an der Frische arbeiten. Positiv war für mich unter anderem das 2:1 im Testspiel gegen den dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland. Dabei haben wir die Aggressivität gezeigt, die wir auch in der 3. Liga an den Tag legen müssen.

DFB.de: Welche Lehren haben Sie aus der Hinrunde gezogen und mit in die Vorbereitung genommen?

Brand: Dass wir besser und kompakter verteidigen müssen. Lange gehörten wir zu den Mannschaften mit den wenigsten Gegentreffern. Dann mussten wir aus unterschiedlichen Gründen umstellen und Stammspieler ersetzen. So etwas ist schwer aufzufangen. Durch die Wechsel häuften sich die Gegentore. Wir müssen dahinkommen, als Kollektiv zu verteidigen - egal, wer auf dem Platz steht. Wenn uns die Geschlossenheit fehlt, wird es für uns extrem schwierig. Im anderen Fall können wir allerdings auch jeden Gegner schlagen.

DFB.de: Auf ein Trainingslager im Süden hatte der FC Hansa verzichtet. Warum?

Brand: Wir hatten uns damit beschäftigt. Es wäre grundsätzlich auch möglich gewesen. Allerdings ist die politische Lage in der Türkei alles andere als einfach. Deshalb hatten wir beschlossen, in Rostock zu bleiben. Dank Rasenheizung konnten wir unser Pensum ohne größere Schwierigkeiten durchziehen. Außerdem konnten wir uns so mit Bedingungen vertraut machen, die uns auch zum Rückrundenstart erwarten.

DFB.de: Mit Christopher Quiring vom Zweitligisten 1. FC Union Berlin steht ein Winterzugang fest. Was zeichnet ihn aus?

Brand: Christopher soll unser Offensivspiel beleben. Er ist schnell und flexibel einsetzbar: zum Beispiel als hängende Spitze oder auf einer der Außenbahnen.

DFB.de: Mit Timo Gebhart fehlt ein Bundesliga-erfahrener Spieler erneut verletzungsbedingt. Wie schwer wiegt sein Ausfall?

Brand: Timo hatte vor seinem Wechsel zu uns wegen Verletzungsproblemen nur wenig gespielt. Bisher kam er nicht so ins Rollen, wie er und wir uns das gewünscht hätten. Vielleicht hat Timo das eine oder andere Mal auch überpaced, weil er unbedingt spielen wollte. Er ist eben sehr ehrgeizig. Bis zu seinem erneuten Faserriss hat Timo eine hervorragende Vorbereitung absolviert und sein Können am Ball aufblitzen lassen. Jetzt geht es darum, ihn wieder behutsam heranzuführen.

DFB.de: Rang drei und ein Abstiegsplatz sind jeweils sechs Zähler entfernt. Wohin soll die Reise in der Rückrunde gehen?

Brand: Unser primäres Ziel ist die Marke von 45 Punkten. Die wollen wir so schnell wie möglich erreichen. Wenn wir das geschafft haben, sind hoffentlich noch ein paar Spieltage übrig.

DFB.de: Ihr Vertrag läuft zum Saisonende aus. Der Verein will verlängern. Wann stehen die entscheidenden Gespräche an?

Brand: Wir befinden uns mittendrin im Prozess. Es sieht nicht schlecht aus.

DFB.de: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihrem Sportvorstand, dem Ex-Nationalspieler René Schneider ?

Brand: Sehr angenehm. Nicht nur mit René Schneider, sondern mit dem gesamten Vorstand gibt es einen regelmäßigen Austausch.

DFB.de: Der FC Hansa war über viele Jahre erstklassig. Ist es möglich, wieder dorthin zu kommen?

Brand: Der Klub befindet sich nach turbulenten Jahren aktuell in einer Phase, in der Stabilität und Kontinuität einkehren. Wenn wir in Ruhe weiterarbeiten und etwas aufbauen können, halte ich den Sprung in die 2. Bundesliga sicher für möglich. Danach muss man weitersehen. Fest steht, dass der FC Hansa über ein riesiges Fanpotenzial verfügt. Er polarisiert aber auch.

DFB.de: Hansa Rostock ist finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet. Wenn Sie den Lotto-Jackpot knacken würden: Was würden Sie mit dem Geld anstellen?

Brand: Ich würde Geld in die Infrastruktur stecken, um die Basis zu verbreitern. Außerdem würde ich auch in Beine investieren und den Rest für schlechte Zeiten zurücklegen.

DFB.de: Erster Gegner in der Rückrunde ist ausgerechnet Ihr Ex-Verein Jahn Regensburg. Im Dezember 2015 waren Sie dort entlassen worden, obwohl Sie mit Ihrer Mannschaft auf Rang eins standen. Ist das für Sie abgehakt?

Brand: Längst! Ich habe ein gutes Verhältnis zum SSV, bin mit einigen Spielern noch in Kontakt. Für mich ist Regensburg ein guter Klub, der versucht - wie wir auch -, aus seinen Möglichkeiten das Maximale herauszuholen. Was mich wurmt, ist die Vorstellung unserer Mannschaft in der Hinrunde: Beim 0:2 in Regensburg haben wir die wohl schwächste Saisonleistung gezeigt. Nun ist Wiedergutmachung angesagt.

DFB.de: Wie schätzen Sie die Regensburger aktuell ein?

Brand: Der SSV spielt frisch und fröhlich nach vorne. Das gefällt mir. Allerdings gilt es, die richtige Balance zu finden. Wir wollen im direkten Duell versuchen, die Defensive der Regensburger in Bedrängnis zu bringen. Unser abschließendes Testspiel absolvieren wir gegen die U 23 von Hertha BSC. Sie soll die spielstarken Regensburger simulieren.

DFB.de: Worauf wird es im ersten Spiel nach der Winterpause ankommen?

Brand: Entscheidend wird sein, von Beginn von hellwach zu sein. Eine Eingewöhnungsphase wird es nicht geben. Dafür ist oben und unten alles zu dicht beieinander.

Autor: mspw